Bei der Vorbereitung des HMD-Schwerpunktheftes zum Thema „Application Management“ habe ich mich immer wieder gefragt, ob wir Wirtschaftsinformatikerinnen und Wirtschaftsinformatiker es unseren Studierenden nicht schuldig sind, sie verstärkt in diesem Thema auszubilden. Klar, einzelne Bausteine sind nicht das Problem. In der Anwendungsentwicklung wird einiges gelehrt, auch in Fächern wie Anwendungssysteme, und das Informationsmanagement hat ITIL natürlich auch schon lange entdeckt. Aber ganzheitlich über den gesamten Zyklus hinweg, ohne dass Betrieb und Wartung nur stiefmütterlich erwähnt werden, scheint mir dieses Thema kaum angeboten zu werden. Woran liegt das? Dass der erste Teil des Lebenszyklus Projekt- und der hintere Routinegeschäft ist, scheint mir nicht überzeugend genug. Vielleicht hat jemand von Ihnen Erfahrung damit – als Studierender oder Lehrender? Aber natürlich interessieren mich auch die Meinungen aus der Praxis. Vielleicht gibt es dort auch gar keinen Bedarf nach „Application Managern“ mit Hintergrundwissen aus Uni-Zeiten … Wie bei vielen ganzheitlichen Themen könnte man argumentieren, dass die Erfahrung in den Einzelgebieten Voraussetzung ist, um die übergeordneten Zusammenhänge und zentralen Herausforderungen gut genug zu verstehen. Ist das hier auch so?
Ich freue mich über Ihre Meinung zu diesem Thema!


Zunächst einmal muss klar, konistent & konsequent unterschieden werden zwischen
- dem reinen Software-Sachgut, d.h. dem Programm-Code, in den die anforderungsgerechten Funktionen hineinprogrammiert sind; das freigegebene Software-Sachgut wird auf einem adäquaten digitalen Speichermedium abgelegt
- der Applikation, die erst dann gegeben bzw. vorhanden ist, wenn das betreffende Software-Sachgut in einer geeigneten Laufzeitumgebung installiert & konfiguriert, aktiviert & operiert, administriert & gepflegt, gewartet & repariert wird.
Daraus ergeben sich die getrennten und aufeinander bezogenen Aufgabenbereiche:
- Software Lifecycle Management mit
– dem Anforderungsmanagement für ein bestimmtes Software-Sachgut mit Blick auf die geschäftsrelevanten ICT-systembasierten Business Support Services (ICTBSS), die durch den Einsatz des Software-Sachguts erbracht werden müssen
– der gesamten Software-Entwicklung bis zur getesteten & freigegeben Software-Version
– dem Release bzw. Versionsmanagement für das freigegebene Software-Sachgut bis zu seinem Rückzug aus dem Software-Angebot bzw. aus der Servuktionsumgebung
– das Wartungs- & Reparaturmanagement für das freigegebene Software-Sachgut, das mit dem Release bzw. Versionsmanagement abgestimmt wird
- Management der adäquaten Laufzeitumgebung, also das Entwerfen & Dimensionieren, Installlieren & Konfigurieren, Aktivieren & Operieren, Administrieren & Pflegen, Warten & Reparieren der technischen Systemumgebung mit Blick auf den Einsatz des betreffenden Software-Sachguts einer bestimmten Version in dieser Umgebung
- Application Hosting Managememt, d.h. das Installieren & Konfigurieren, Aktivieren & Operieren des betreffenden Software-Sachguts in der vorgesehenen Laufzeitumgebung sowie das Administrieren & Pflegen der dann speicherresidenten Applikation
- Application Maintenance Management, das das Warten & Reparieren der Applikation(sinstanzen) in ihren jeweiligen Laufzeitumgebungen umfasst
Ein Applikationssystem bzw. eine Applikationsinstanz ist in vielen Fällen ein service-relevantes System für die Erbringung von Standard-Service-Beiträgen für ICT-systembasierte Business Support Services (ICTBSS). Das Applikationssystem verfügt dann über bestimmte service-relevante Funktionen, durch deren Ausführung bestimmte Standard-Service-Beiträge für einen abgerufenen ICTBSS zugebracht werden. Insofern ist das Service Delivery Management für die geschäftsrelevanten ICTBSS als Ausgangs- & Bezugsbasis maßgeblich für Design & Sizing, Einsatz & Betrieb, Monitoring & Management der service-relevanten Applikationssysteme mitsamt ihrer erforderlichen Infrastruktursysteme. Aus der Service-Konzipierung für die geschäftsrelevanten ICTBSS ergeben sich wesentliche Anforderungen an die Funktionalität der erforderlichen Software-Sachüter.
Auch wenn die Verzahnung der verschiedenen Aufgabenbereiche in vielen Fällen recht eng sein mag, muss jeder einzelne Aufgabenbereich für sich schlüssig & konsistent, durchgängig & konsequent praktiziert werden, damit der darauf aufbauende Aufgabenbereich adäquat ausgefüllt werden kann.