Monatsarchiv für Februar 2012

avatar

Multilinguale Suche in Bibliothekskatalogen – Ein semantischer Ansatz mit Open Source Software und Open Data

Was ist SLUBsemantics?

Die neue Suchanwendung „SLUBsemantics“ der Sächsischen Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek Dresden ermöglicht Benutzern themenorientierte Suchanfragen in ihrer Muttersprache zu stellen – und liefert alle thematisch relevanten Bücher des Bibliothekskatalogs, unabhängig ihrer Originalsprache und nach Relevanz sortiert zurück. Semantische Beziehungen werden grafisch dargestellt.

Inspiriert durch die wachsenden Möglichkeiten offener Daten im World Wide Web galt es zwei besonders anspruchsvolle Aufgaben zu berücksichtigen:

Erstens, die Ermöglichung einer thematischen Suche, mit der Benutzer losgelöst von den beschreibenden Metadaten eines Buches (z.B. Titel, Autor) relevante Bestände einer Bibliothek ausfindig machen können. Hierbei sollte den Benutzern eine Vorabrecherche nach relevanten Stichwörtern und deren Synonymen abgenommen werden.

Zweitens sollte der Tatsache Rechnung getragen werden, dass viele Benutzer zwar fremdsprachige Dokumente verstehen, aber mit der fremden Sprache nicht aktiv arbeiten können. Ziel war, bei der Eingabe von Suchanfragen in den Muttersprachen Deutsch, Englisch oder Polnisch auch anderssprachige Bestände auffindbar zu machen.

SLUBsemantics am Beispiel:

Lautet die Suchanfrage zum Beispiel „Gone with the wind“, erhält der Benutzer zugleich Treffer zum deutschen Filmtitel „Vom Winde verweht“, zum Regisseur Victor Fleming, zu Max Steiner, dem Komponisten der Filmmusik, und zu Margaret Mitchell, der Autorin der Romanvorlage.

Zur Orientierung und Auswahl hilft eine grafische Visualisierung, die ein mehrfaches hierarchisches Einschränken der Suchergebnisse ermöglicht. Mit der intuitiv zu bedienenden graphischen Suche kann sich der Benutzer zielgerichtet seinen Interessen nähern. Dabei werden in Echtzeit die relevanten Katalogeinträge eingeschränkt und entsprechend ihrer aktuellen Relevanz neu sortiert.

[Video: http://www.youtube.com/watch?feature=player_embedded&v=Pkc2eP64-hM]

Eine neuer Ansatz für intelligente Suchsysteme

Das auf Basis von Open Source Software und Open Data neu entwickelte, intelligente Suchsystem stellt bibliografische Daten mittels intelligenter Datenintegrations- und Data-Mining-Technologien in einen thematischen Kontext. Der thematische Kontext stammt aus der größten sozial erzeugten, freien Enzyklopädie: Wikipedia.

Mithilfe der Basistechnologie von „SLUBsemantics“ kann grundsätzlich jeder Textkorpus (z.B. Dokumente eines Intranet) semantisch angereichert und für eine themenorientierte Suche durchsuchbar gemacht werden. Die neue Suchanwendung reduziert nicht nur den Zeitaufwand für eine erfolgreiche Suche, sondern kann auch bisher verborgenes Wissen aufdecken.

Website:
www.avantgarde-labs.de

 

avatar

Geringere Kosten und mehr Flexibilität durch IT-Anwenderkonsortien und Open Source

Die nächste HMD (Heft 283) erscheint am 20.02.12. In diesem Blogbeitrag liefern wir Ihnen einen kleinen Vorgeschmack auf das Schwerpunktthema “Open Source – Konzepte, Risiken, Trends”. Viel Spaß beim Lesen :-)

Deutschland ist ein Land von IT-Anwendern. Deutschland ist auch ein Land des Open Source. Und wenn sich IT-Anwender zu Open-Source-Konsortien zusammenschließen, dann können sie Kosten senken, Software leichter anpassbar machen, und sich strategisch von Vendor-Lockin befreien.

Die Deutsche Bahn macht es vor. Im Rahmen des OpenETCS Projekts organisiert die Bahn, etwas vereinfacht gesprochen, sich selbst und andere Käufer von Triebwagen und Lokomotiven dahingehend, Open-Source-Software entwickeln zu lassen und einzusetzen. Der Vorteil liegt auf der Hand: Für Open-Source-Software fallen keine Lizenzkosten an, Anpassungs- und Wartungsdienstleistungen können von unterschiedlichen Anbietern im Wettbewerb akquiriert werden, und man muss sich keine Sorgen mehr machen, dass ein strategisch wichtiger Hersteller zum ungünstigsten Zeitpunkt Konkurs anmeldet. OpenETCS ist ein Beispiel. GenIVI, geleitet von BMW, ist ein weiteres Beispiel. OpenAPC ist noch eins. Und andere.

In meiner Forschungs- wie Beratungstätigkeit sehe ich zurzeit mehrere solcher Initiativen. IT-Anwender-Unternehmen schließen sich zusammen, um nicht wettbewerbsdifferenzierende Softwarekomponenten entwickeln zu lassen. Durch den Zusammenschluss zu IT-Anwender-Konsortien bleiben die Kosten beherrschbar und gleichzeitig wird der Lockin in Closed-Source-Software vermieden. Die konsortiale Softwareentwicklung funktioniert für neue Komponenten genauso gut wie für erweiternde Komponenten existierender Closed-Source-Plattformen, etwa SAP. Was es braucht, ist den Willen und eine verstandene Organisations- und Zusammenarbeitsform.

Open Source liefert diese Organisations- und Zusammenarbeitsform. Konsortien, auch Anwender-Konsortien, sind nichts Neues. Vor Open Source aber war die Gründung eines solchen Konsortiums höchst mühsam. Hohe Rechtsanwaltskosten und Zeitverlust sorgten schnell dafür, dass den Beteiligten der Spaß am Konsortium verging. Open Source hat all dies geändert. Mit Open Source liegt sowohl ein rechtliches Rahmenwerk, wie auch eine verstandene Zusammenarbeitsform vor. Zwar noch nicht ganz von der Stange, aber doch sehr viel schneller können heute Anwenderfirmen auf erprobte rechtliche Rahmenwerke und praktische Prozess- und Governance-Vorlagen zurückgreifen, um sich zu organisieren und Open-Source-Software entwickeln zu lassen, die ihren Vorstellungen entspricht.

 

 

Die Integrata-Stiftung für humane Nutzung der Informationstechnologie hat ihre Preisträger des Jahres 2012 gekürt:

Wolfgang-Heilmann-Preis 2012 geht an renommierten
Wissenschaftler und bekanntes Web 2.0-Portal

Auch 2012 hat die Integrata-Stiftung für humane Nutzung der Informationstechnologie wieder ihren Wolfgang-Heilmann-Preis vergeben. Der mit insgesamt 10.000,– Euro Preisgeld ausgestattete Preis geht je zur Hälfte an

1. Prof. Dr. Herbert Kubicek, Institut für Informationsmanagement Bremen Gmbh (ifib) und
Dr. Martin Hagen, Leiter eGovernment bei der Senatorin für Finanzen, für ihr Projekt:
Register amtlicher Informationen der Freien Hansestadt Bremen

2. Boris Hekele, Parlamentwatch e.V. für das Portal www.abgeordnetenwatch.de

Der Sonderpreis Innovative Produkte geht an:

3. Sebastian Vogt, Geschäftsführer von eOpinio GmbH für das gleichnamige Projekt zum Thema Meinungsgemeinschaft und eRathaus.

Der Preis war unter dem Motto Mehr Demokratie durch IT ausgeschrieben. Gesucht waren Projekte zum Computereinsatz, die die Partizipation der Bürger am politischen Geschehen und dadurch unsere Demokratie in unserer modernen Informationsgesellschaft zu verbessern versprechen. Diesem Anspruch wurden die ausgezeichneten Arbeiten in ganz besonderem Maße gerecht.

Die Preise werden persönlich verliehen auf dem Kongress der Integrata-Stiftung am 11. Mai 2012 in Berlin, der unter dem gleichen Motto steht “Mehr Demokratie – durch IT”. Die Preisträger werden dort ihre Arbeit vorstellen und zur Diskussion persönlich anwesend sein.

Die Integrata-Stiftung wirbt dafür, die Informationstechnologie nicht nur zur Rationalisierung und Funktionalisierung der Lebens- und Arbeitsprozesse zu nutzen, sondern zur Schaffung eines gesellschaftlichen Mehrwerts, d.h. zur Verbesserung der Lebensqualität möglichst vieler Menschen in allen Regionen der Welt:

Mehr Lebensqualität durch Informationstechnologie.

Sie ist in diesem Sinne “sozial” orientiert und erst in zweiter Linie technisch. Die Informationstechnologie wird ganz bewusst als Werkzeug gesehen, mit dessen Hilfe es gelingen soll, die Welt im Großen und im Kleinen menschenwürdiger, d.h. humaner zu gestalten.

Weitere Angaben über die Integrata-Stiftung sowie über die Preisausschreibung und den Kongress finden Sie auf der Website unter www.integrata-stiftung.de.

Michael Mörike

HMD Probeabo