Die nächste HMD (Heft 283) erscheint am 20.02.12. In diesem Blogbeitrag liefern wir Ihnen einen kleinen Vorgeschmack auf das Schwerpunktthema “Open Source – Konzepte, Risiken, Trends”. Viel Spaß beim Lesen :-)
Deutschland ist ein Land von IT-Anwendern. Deutschland ist auch ein Land des Open Source. Und wenn sich IT-Anwender zu Open-Source-Konsortien zusammenschließen, dann können sie Kosten senken, Software leichter anpassbar machen, und sich strategisch von Vendor-Lockin befreien.
Die Deutsche Bahn macht es vor. Im Rahmen des OpenETCS Projekts organisiert die Bahn, etwas vereinfacht gesprochen, sich selbst und andere Käufer von Triebwagen und Lokomotiven dahingehend, Open-Source-Software entwickeln zu lassen und einzusetzen. Der Vorteil liegt auf der Hand: Für Open-Source-Software fallen keine Lizenzkosten an, Anpassungs- und Wartungsdienstleistungen können von unterschiedlichen Anbietern im Wettbewerb akquiriert werden, und man muss sich keine Sorgen mehr machen, dass ein strategisch wichtiger Hersteller zum ungünstigsten Zeitpunkt Konkurs anmeldet. OpenETCS ist ein Beispiel. GenIVI, geleitet von BMW, ist ein weiteres Beispiel. OpenAPC ist noch eins. Und andere.
In meiner Forschungs- wie Beratungstätigkeit sehe ich zurzeit mehrere solcher Initiativen. IT-Anwender-Unternehmen schließen sich zusammen, um nicht wettbewerbsdifferenzierende Softwarekomponenten entwickeln zu lassen. Durch den Zusammenschluss zu IT-Anwender-Konsortien bleiben die Kosten beherrschbar und gleichzeitig wird der Lockin in Closed-Source-Software vermieden. Die konsortiale Softwareentwicklung funktioniert für neue Komponenten genauso gut wie für erweiternde Komponenten existierender Closed-Source-Plattformen, etwa SAP. Was es braucht, ist den Willen und eine verstandene Organisations- und Zusammenarbeitsform.
Open Source liefert diese Organisations- und Zusammenarbeitsform. Konsortien, auch Anwender-Konsortien, sind nichts Neues. Vor Open Source aber war die Gründung eines solchen Konsortiums höchst mühsam. Hohe Rechtsanwaltskosten und Zeitverlust sorgten schnell dafür, dass den Beteiligten der Spaß am Konsortium verging. Open Source hat all dies geändert. Mit Open Source liegt sowohl ein rechtliches Rahmenwerk, wie auch eine verstandene Zusammenarbeitsform vor. Zwar noch nicht ganz von der Stange, aber doch sehr viel schneller können heute Anwenderfirmen auf erprobte rechtliche Rahmenwerke und praktische Prozess- und Governance-Vorlagen zurückgreifen, um sich zu organisieren und Open-Source-Software entwickeln zu lassen, die ihren Vorstellungen entspricht.

