Die nächste HMD (Heft 282) erscheint am 19.12.11. In diesem Blogbeitrag liefern wir Ihnen einen kleinen Vorgeschmack auf das Schwerpunktthema “Führungsinformationssysteme für eine neue Manager-Generation”.
Führungsinformationssysteme (FIS) sind IT-gestützte Informationssysteme (IS), die auf Personen mit unternehmerischer Verantwortung ausgerichtet sind. Nach der mangelnden Durchdringung von Entscheidungsunterstützungssystemen (EUS) in den 80er-Jahren sind auch FIS bis heute oftmals nur teilweise umgesetzt worden; dies aus fachlichen und technischen Gründen. In dem diesem Blog zugrunde liegenden Sonderheft »HMD 282« stellen wir verschiedene Ansätze vor, wie der nunmehr vierte Anlauf gestaltet werden kann, Führungskräfte mehr und mehr an moderne IS heranzuführen.
Mehrere Gründe sprechen dafür, sich aktuell mit neuen FIS für eine neue Generation von Managern zu beschäftigen: Eine zunehmende Anzahl von »Digital Natives« drängt in die Führungsebenen von Unternehmen. Gleichzeitig etablieren sich neuartige mobile Geräte wie Tablets oder auf private Nutzung ausgelegte Smartphones nicht nur im Privatleben, sondern auch für den geschäftlichen Gebrauch. FIS entwickeln sich dabei von isolierten Anwendungen zu einem integrierten Ansatz, der sich an die Spitze unternehmensweiter Business Intelligence (BI)-Architekturen stellt.
Nach einem Überblick über Anforderungen, Architektur und Umsetzungserfahrungen neuer FIS für eine neue Generation von Managern werden im Heft verschiedene Einflussfaktoren auf die neuen Systeme schwerpunktartig beleuchtet. Dazu zählen Web 2.0-Mechanismen genauso wie Anforderungen an Endgeräte (Hardwareseite von FIS) und die moderne Oberflächengestaltung von FIS (Softwareseite von FIS). Insbesondere jüngere Führungskräfte sind mittlerweile mit Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT) aufgewachsen und haben dazu eine zunehmend positive und unbelastete Einstellung – aber auch hochgesteckte Erwartungen an Benutzerfreundlichkeit und Anpassungsfähigkeit. Zudem ist unsere Welt mobiler geworden, Führungskräfte sind viel unterwegs – ihr Büro ist dort, wo sie ihr Notebook benutzen können und wo ihr Smartphone oder Tablet Empfang hat. Praxisbeispiele runden unsere Artikelsammlung ab und inspirieren Sie hoffentlich, über den einen oder anderen neuen Ansatz für Ihre eigene Arbeitsumgebung nachzudenken.
Wir möchten Maßnahmen, Erfahrungen, Best Practices und Lösungsvorschläge aus Wissenschaft und Praxis mit Ihnen diskutieren. Die nachfolgenden Fragen und Aussagen mögen einen Startpunkt darstellen. Wir freuen uns auf ihre Anmerkungen.
- Geht es bei den aktuellen Anforderungen an FIS eher um weitere fachliche Anforderungen wie zum Beispiel die verstärkte Berücksichtigung eines Risikomanagements aufgrund der weiter zunehmenden Volatiliät des Umfelds, wie es die Staatskrisen 2011 zeigen? Oder stehen die eher nicht funktionalen Anforderungen wie der benutzerfreundlichere Zugriff auf Informationen, die intuitive Navigation im IS, die einfach zu gestaltende weiterführende Analyse und Kommunikation der Informationen im Vordergrund?
- Sind FIS mittlerweile in eine umfassende BI-Landschaft integriert, sind die Informationsflüsse durchgängig modelliert oder gibt es noch viele anfällige manuelle Prozesse, die es an der Spitze der BI-Pyramide bei FIS noch zu standardisieren und zu automatisieren gilt?
- SAP hat BO und IBM hat Cognos gekauft, um u.a. ihre facettenreichen Data Warehouses ein benutzerfreundlicheres »Frontend« mit leicht zugängigen Analysemöglichkeiten zu geben. Wie wird diese Integration von der Praxis aufgenommen, was sind hier erste Umsetzungsergebnisse einer solchen integrativen Lösung?
- Welche Präsenz haben Führungsinformationssysteme überhaupt in modernen Unternehmen? Sind sie tatsächlich bei jeder Führungskraft auf dem Rechner installiert oder bedingen detaillierte Informationen über zentrale Unternehmensfakten noch immer wochenlanges Zusammentragen von Daten und kaum vertretbare Aufwände bei der Daten- und Informationsaufbereitung?
- Welche Bedeutung haben mobile Endgeräte schon in ihrem Unternehmen? Was ist das bevorzugte Endgerät für ihre Führungskräfte? Ist es nach wie vor der »blackberry« fürs Telefonieren und kurze E-Mails sowie ein Notebook für Präsentationen und das Arbeiten mit einem Office-Paket? Haben ihre Führungskräfte parallel dazu noch einen PC im Büro? Welche Reports nehmen insbesondere ihre eher IS-aversen Führungskräfte noch am liebsten auf Papier auf Reisen? Welche Durchdringung haben sogenannte Tablets in ihrem Unternehmen?
- Wie stehen Sie zu der These, dass trotz beeindruckender Business-Intelligence-Umgebungen viele zentrale Entscheidungen in den Unternehmen immer noch aus dem Bauch heraus getroffen werden?
- Was können wir im Hinblick auf das semistrukturierte Arbeiten im Unternehmen von der aktuellen Entwicklungen der sogenannten »Social Media« lernen? Können Profile, Blogs, Chats, Feeds und virtuelle Pinnwände zahlreiche E-Mails mit gleichem Inhalt und großem Verteiler ersetzen? »Wenn ja«, bei welchen Fragestellungen im Unternehmen?
Die Autoren:

Dr. Jörg H. Mayer ist Projektleiter und Habilitand am Institut für Wirtschaftsinformatik der Universität St.Gallen, Schweiz. Er leitet das Kompetenzzentrum Unternehmenssteuerungssysteme (http://uss.iwi.unisg.ch). Seine Forschungs- und Arbeitgebiete sind oberste Führungskräfte und ihre IS-Unterstützung.
Professor Robert Winter ist Ordinarius für Wirtschaftsinformatik an der Universität St. Gallen (HSG), Direktor des Instituts für Wirtschaftsinformatik (IWI-HSG) und Gründungsdirektor des Executive Master of Business Engineering (EMBE HSG).

Dr. Stefan Reinheimer ist Geschäftsführer der BIK – Beratungsgesellschaft für Informations- und Kommunikationsmanagement mbH. Seine Arbeitsgebiete sind Unternehmensstrategie, Geschäftsprozesse und Organisation, Projektmanagement.

